Bewerbung als Polizist/Polizistin: Ablauf, Voraussetzungen, Anschreiben
Die Bewerbung als Polizist läuft anders als jede Firmenbewerbung: Statt einer Mappe an eine Personalabteilung durchläufst du ein mehrstufiges Auswahlverfahren von Land oder Bund. Dieser Leitfaden erklärt Laufbahnen, Voraussetzungen, den Ablauf — und was dein Motivationsschreiben leisten muss.
Von Redaktion ·
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bewerbung bei der Polizei ist keine klassische Bewerbungsmappe an eine Firma, sondern der Start in ein formales, mehrstufiges Auswahlverfahren der Länder oder des Bundes.
- Es gibt verschiedene Laufbahnen (mittlerer und gehobener Dienst) und Arbeitgeber (16 Landespolizeien, Bundespolizei, BKA) — mit jeweils eigenen Anforderungen und Fristen.
- Voraussetzungen wie Alter, Schulabschluss, Fitness und gesundheitliche Eignung unterscheiden sich je nach Bundesland — verbindlich sind allein die aktuellen Vorgaben der jeweiligen Einstellungsstelle.
- Das Auswahlverfahren umfasst typischerweise Online-Bewerbung, schriftlichen Test, Sporttest, mündliche Prüfung oder Assessment und ärztliche Untersuchung — die Vorbereitung beginnt Monate vorher.
- Wer sich bei mehreren Bundesländern oder zusätzlich bei der Bundespolizei bewirbt, erhöht seine Chancen deutlich — die Verfahren laufen unabhängig voneinander.
Wer sich bei einem Unternehmen bewirbt, schickt Anschreiben und Lebenslauf und hofft auf eine Einladung. Die Bewerbung als Polizist funktioniert grundlegend anders: Du bewirbst dich nicht bei einer Firma, sondern startest ein formales Auswahlverfahren bei einem Land oder beim Bund — mit festen Fristen, mehreren Prüfungsstufen und klaren Zulassungsvoraussetzungen. Wer das Verfahren versteht und sich gezielt vorbereitet, hat deutlich bessere Karten als jemand mit dem schönsten Anschreiben.
Anders als jede Firmenbewerbung
Bei der Polizei entscheidet keine Personalabteilung nach Aktenlage, sondern ein standardisiertes Verfahren: Alle Bewerber durchlaufen dieselben Tests, und wer eine Stufe nicht besteht, scheidet aus — unabhängig davon, wie gut die Unterlagen waren. Deine Bewerbung ist also die Eintrittskarte ins Verfahren, nicht die Entscheidung selbst. Das hat eine angenehme Seite: Vitamin B spielt keine Rolle. Und eine fordernde: Du musst in Sport, Sprache und Logik am Prüfungstag liefern.
Laufbahnen und Arbeitgeber: deine Möglichkeiten
Zwei Fragen stellst du dir vor der Bewerbung: Welche Laufbahn — und welcher Dienstherr?
| Mittlerer Dienst | Gehobener Dienst | |
|---|---|---|
| Einstieg | Ausbildung (meist 2,5 Jahre) | Duales Studium (meist 3 Jahre, Bachelor) |
| Schulabschluss | Meist mittlerer Abschluss oder Hauptschulabschluss plus Berufsausbildung | Abitur oder Fachhochschulreife |
| Typische Aufgaben | Streifen- und Wachdienst, Einsatzhundertschaft | Streifendienst mit Führungsaufgaben, Ermittlungen, Kripo-Zugang |
| Wo angeboten | Bundespolizei und ein Teil der Länder | Alle Länder und der Bund; einige Länder stellen nur noch hier ein |
Dazu kommt die Wahl des Dienstherrn: 16 Landespolizeien (zuständig für Gefahrenabwehr und Kriminalität im eigenen Land), die Bundespolizei (Bahnhöfe, Flughäfen, Grenzen, bundesweite Einsätze) und das BKA mit eigenem Studiengang. Jede Behörde hat ihr eigenes Verfahren — parallele Bewerbungen sind erlaubt und sinnvoll.
Voraussetzungen: was verlangt wird
Die Anforderungen ähneln sich bundesweit, die Details unterscheiden sich aber je nach Bundesland — verbindlich ist allein die aktuelle Ausschreibung deiner Einstellungsstelle. Typische Kriterien:
- Alter: Mindest- und Höchstgrenzen, die je nach Land und Laufbahn variieren
- Schulabschluss: passend zur Laufbahn (siehe Tabelle)
- Fitness: Sporttest ist überall Pflicht; teils wird das Deutsche Sportabzeichen oder ein Schwimmnachweis verlangt
- Gesundheitliche Eignung: polizeiärztliche Untersuchung, u. a. Seh- und Hörvermögen; Regelungen zu Tattoos und BMI je nach Land unterschiedlich
- Persönliche Eignung: einwandfreies Führungszeugnis, geordnete finanzielle Verhältnisse
- Staatsangehörigkeit: in der Regel deutsch oder EU; Ausnahmen sind je nach Land möglich
Prüfe jeden Punkt vor der Bewerbung auf der Karriereseite deiner Zielbehörde — veraltete Angaben aus Foren kosten sonst unnötig eine Bewerbungsrunde.
So läuft das Auswahlverfahren ab
- Online-Bewerbung über das Karriereportal: Formular, Lebenslauf, Zeugnisse, teils Motivationsschreiben
- Schriftlicher Test: Deutsch (oft als Diktat oder Sprachtest), Logik, Konzentration, Allgemeinwissen — heute meist am Computer
- Sporttest: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit; die Disziplinen veröffentlicht jede Behörde vorab
- Mündliche Prüfung / Assessment: Einzelinterview, Gruppenaufgabe, teils Rollenspiele — hier zählen Auftreten, Teamfähigkeit und Motivation
- Polizeiärztliche Untersuchung: ganz am Ende, denn sie ist aufwendig und wird nur mit Bestehen aller Vorstufen durchgeführt
Zwischen Bewerbung und Einstellung liegen oft mehrere Monate — plane das ein, gerade wenn dein Schulabschluss oder Ausbildungsende auf einen festen Termin fällt.
Motivationsschreiben: was es leisten muss
Wo ein Anschreiben oder Motivationsfragen verlangt werden, geht es nicht um Schönschreiberei, sondern um zwei Dinge: glaubwürdige Motivation für das Amt und Belege für Belastbarkeit und Teamfähigkeit. Behaupten reicht nicht — belege es:
Warum Polizei? Bei einem Verkehrsunfall vor unserer Schule habe ich erlebt, wie zwei Beamte die Lage in Minuten geordnet haben — seitdem lässt mich der Gedanke nicht los, in solchen Momenten der Mensch zu sein, der Ruhe reinbringt. Belastbarkeit kenne ich aus vier Jahren Schichtarbeit neben der Schule im Pflegeheim meiner Mutter, Teamverantwortung als Kapitän meiner Handballmannschaft, mit der ich auch in Rückstandssituationen die Ansprache halte.
❌ „Ich bin belastbar, teamfähig und suche einen sicheren Arbeitsplatz.“ → ✅ Ein konkretes Erlebnis als Auslöser plus je ein Beleg für Belastbarkeit und Teamfähigkeit. Die Jobsicherheit denken alle — schreiben solltest du sie nicht als Hauptmotiv.
Vorbereitung auf den Einstellungstest
- Sport: Trainiere früh und gezielt auf die veröffentlichten Disziplinen deiner Behörde — Ausdauer braucht Monate, nicht Wochen
- Diktat/Sprache: Regelmäßig Diktate üben und Zeitungstexte zusammenfassen; Rechtschreibfehler sind ein häufiger Ausschlussgrund
- Logik und Konzentration: Mit Übungsaufgaben das Format kennenlernen — viele Behörden stellen Beispielaufgaben bereit
- Mündlicher Teil: Aktuelle Themen der Inneren Sicherheit verfolgen und die eigene Motivation laut formulieren üben
Die häufigsten Fehler
- Fristen verpassen — Einstellungstermine liegen fest; wer zu spät ist, wartet ein Jahr
- Nur ein Bundesland bewerben — parallele Verfahren bei Ländern und Bund erhöhen die Chancen erheblich
- Sporttest unterschätzen — hier scheitern viele, obwohl er planbar ist
- Veraltete Anforderungen aus Foren übernehmen — nur die Einstellungsstelle zählt
- Jobsicherheit als Hauptmotiv nennen — legitim als Gedanke, schwach als Argument
Checkliste vor der Bewerbung
- Laufbahn gewählt und Voraussetzungen bei der Zielbehörde geprüft?
- Bewerbungsfristen und Einstellungstermine notiert?
- Bei mindestens zwei Behörden (Länder/Bund) parallel beworben?
- Sporttraining auf die Testdisziplinen ausgerichtet?
- Motivation konkret formuliert — mit Erlebnis und Belegen?
- Führungszeugnis und Unterlagen vollständig?
Wenn deine Zielbehörde ein Motivationsschreiben verlangt und du vor der leeren Seite sitzt: Unser KI-Anschreiben-Generator erstellt aus deinem Profil und der Ausschreibung einen strukturierten Entwurf — die persönlichen Erlebnisse, die dein Schreiben glaubwürdig machen, ergänzt du selbst.
Häufige Fragen
- Wie bewerbe ich mich bei der Polizei?
- Direkt über das Karriereportal der jeweiligen Landespolizei oder der Bundespolizei, meist per Online-Formular mit Lebenslauf, Zeugnissen und teils einem Motivationsschreiben. Danach durchläufst du das Auswahlverfahren mit schriftlichem Test, Sporttest, mündlicher Prüfung und ärztlicher Untersuchung. Fristen und Einstellungstermine legt jede Einstellungsstelle selbst fest.
- Welche Voraussetzungen brauche ich für die Polizei?
- Typisch sind ein Mindest- und Höchstalter, ein Schulabschluss passend zur Laufbahn (mittlerer Dienst: meist mittlerer Abschluss oder Hauptschulabschluss plus Ausbildung; gehobener Dienst: Abitur oder Fachhochschulreife), körperliche Fitness, gesundheitliche Eignung, ein einwandfreies Führungszeugnis und in der Regel die deutsche oder eine EU-Staatsangehörigkeit. Die genauen Werte unterscheiden sich je nach Bundesland — prüfe immer die aktuellen Vorgaben der Einstellungsstelle.
- Was ist der Unterschied zwischen Landespolizei und Bundespolizei?
- Die 16 Landespolizeien sind für die allgemeine Gefahrenabwehr und Kriminalitätsbekämpfung in ihrem Bundesland zuständig — vom Streifendienst bis zur Kripo. Die Bundespolizei sichert unter anderem Bahnhöfe, Flughäfen und Grenzen und ist bundesweit im Einsatz. Beide haben eigene Auswahlverfahren; eine parallele Bewerbung ist möglich und üblich.
- Wie läuft der Einstellungstest bei der Polizei ab?
- Meist in mehreren Stufen: ein schriftlicher oder computergestützter Test (Deutsch/Diktat, Logik, Konzentration, Allgemeinwissen), ein Sporttest, ein mündlicher Teil (Einzelgespräch, Gruppenaufgabe oder Assessment-Center) und zum Schluss die polizeiärztliche Untersuchung. Zwischen den Stufen wird jeweils aussortiert — eine gezielte Vorbereitung auf jede Stufe lohnt sich.
- Braucht die Polizei-Bewerbung ein Anschreiben?
- Viele Einstellungsstellen verlangen ein Motivationsschreiben oder stellen Motivationsfragen im Online-Formular und im Interview. Es ersetzt nicht den Test, fließt aber in den Gesamteindruck ein. Überzeugend ist, wer konkrete Gründe für den Polizeiberuf nennt und Belastbarkeit sowie Teamfähigkeit mit Beispielen belegt statt behauptet.